Ich habe gewartet.
Gewartet darauf, dass mich jemand rettet. Gewartet darauf, dass sich etwas löst. Dass ich das nächste Thema verstehe, die nächste Hürde überwinde, das nächste Muster erkenne.
Ich habe gewartet auf diesen einen Moment, in dem plötzlich alles klar wird. Auf ein: Hier ist es. Hier bist du. Das hier ist deins.
Durch das Warten geschieht vieles. Dinge verändern sich, Erkenntnisse kommen, Wege öffnen sich. Und doch gibt es einen Teil des Weges, den ich selbst gehen muss.
Zwischen Warten und Handeln
Immer wieder musste ich in mir selbst neue Kraft finden, um weiterzugehen. Ohne zu wissen, wohin. Ohne zu wissen, wie lange noch. Manchmal nicht einmal mit einer Antwort darauf, warum überhaupt.
Ein kleines Stück Handlung – und gefühlt tausend Hürden davor.
Ich wartete darauf, dass sich der Knoten endlich löst. Dass es irgendwann einfach da ist. Dass es leichter wird. Dass es fließt. Dass etwas geschieht, ohne dass ich dafür immer wieder etwas tun, verändern oder in Bewegung bringen muss.
Vielleicht habe ich auch darauf gewartet, endlich an einem Punkt anzukommen, an dem ich nicht mehr weitermachen muss.
Da ist dieser innere Zwiespalt:
„Ich bleibe liegen.“
Und: „Ich mache weiter.“
Und so ging ich immer wieder weiter. Ich setzte mich mit mir auseinander, begegnete meinen Gedanken, meinen Mustern und meinen Widerständen. Immer wieder. An mir, mit mir und manchmal auch gegen mich.
Und während ich all das tat, wartete ich weiter.
- Darauf, endlich frei zu sein.
- Darauf, dass es endlich fließt.
- Darauf, dass sich das Leben nicht mehr so schwer anfühlt.
Doch vielleicht liegt genau darin eine Erkenntnis: Ich habe so lange darauf gewartet, dass sich etwas verändert, ohne zu erkennen, dass ein Teil dieser Veränderung auch durch mein eigenes Handeln entstehen darf.
Das Leben ist nicht nur Geschehenlassen
Es kommen viele Dinge. Begegnungen, Impulse, Erkenntnisse und Möglichkeiten. Manches begegnet uns zur richtigen Zeit, manches zeigt sich erst später. Doch es kommt niemand, der die entscheidenden Schritte für uns gehen kann. Niemand, der an unserer Stelle handelt, entscheidet oder unser Leben lebt.
Das Leben ist nicht nur Geschehenlassen. Es ist auch Handeln. Entscheiden. Beginnen. Wieder aufstehen. Und manchmal einfach nur ein kleines Stück weitermachen.
Nicht alles auf einmal. Nicht tausend Schritte. Nur der nächste.
Vielleicht muss ich nicht warten, bis ich frei bin, um loszugehen. Vielleicht entsteht ein Stück Freiheit erst dadurch, dass ich losgehe.
Und vielleicht darf ich dabei aufhören, mich selbst ständig anzutreiben. Vielleicht darf Handeln auch leise sein. In meinem Tempo. Mit Pausen, mit Zweifeln und mit dem Vertrauen, dass nicht jeder Schritt sofort einen sichtbaren Sinn ergeben muss.
Denn so sehr ich mir manchmal wünsche, dass das Leben mir etwas abnimmt: Ein Stück meines Weges kann nur ich selbst gehen.
Vielleicht beginnt genau dort etwas Neues. Nicht im Warten auf den Moment, in dem alles leicht wird, sondern in der leisen Entscheidung, dem eigenen Leben wieder ein Stück entgegenzugehen.
Von Herzen,
Maria-Beatrice